Kennst du das? Du öffnest jeden Morgen dieselben Tabs, schaust durch dieselben Quellen, beantwortest dieselben Arten von Anfragen. Nicht weil es komplex wäre. Sondern weil es jemand tun muss.
Ab sofort kann das Claude für dich übernehmen. Nicht als Chatbot, dem du jeden Morgen denselben Prompt eintippst. Sondern als eigenständiger Agent, der läuft, während dein Laptop zugeklappt ist.
Das nennt sich Claude Code Routines. Anthropic hat das Feature am 14. April 2026 als Research Preview veröffentlicht. Es ist das erste Mal, dass Claude Code wirklich autonom im Hintergrund arbeitet.
In diesem Artikel erkläre ich, was Routines sind, welche drei Use Cases du sofort umsetzen kannst und wo die ehrlichen Grenzen liegen.
Für Einsteiger
Noch nie mit Claude Code gearbeitet? Der Einsteiger-Guide zu Claude Code bringt dich in 15 Minuten auf Stand. Für Routines brauchst du einen GitHub-Account und mindestens den Claude Pro-Plan.
Was sind Claude Code Routines?

Eine Routine ist ein gespeicherter Auftrag für Claude. Du schreibst einmal einen Prompt, wählst einen Projektordner auf GitHub und bestimmst, wann oder warum Claude loslegen soll. Dann läuft das Ganze automatisch.
Was im Hintergrund passiert: Anthropic startet für jede Ausführung eine frische, isolierte Umgebung auf deren Servern. Claude klont deinen Projektordner, erledigt die Aufgabe und die Umgebung wird danach wieder gelöscht. Dein Laptop muss dafür weder offen noch angeschaltet sein.
Das hat eine wichtige Konsequenz: Jede Ausführung startet bei null. Claude erinnert sich beim nächsten Mal nicht, was er beim letzten Mal getan hat. Wie du das umgehst, erkläre ich weiter unten.
Was Claude nach einer Routine nach außen schicken kann:
- Commits und Pull Requests in deinem GitHub-Projektordner (dauerhaft gespeicherte Änderungen)
- Einträge und Seiten in verbundenen Apps wie Notion oder Slack
- E-Mail-Entwürfe in deinem Postfach
- Datenbankeinträge, zum Beispiel in Supabase
Die drei Auslöser: wann dein Agent losläuft
Du entscheidest, was eine Routine in Gang setzt. Drei Optionen stehen zur Wahl.
Zeitplan: jeden Morgen um 8 Uhr
Der einfachste Auslöser: ein fester Zeitplan, ähnlich einem Wecker. Stündlich, täglich, wochentags oder zu einem bestimmten Zeitpunkt. Der Zeitplan ist Zeitzone-bewusst.
Typisches Beispiel: Jeden Morgen um 7:30 Uhr scrapt Claude Neuigkeiten aus deiner Branche, fasst die fünf wichtigsten Punkte zusammen und schreibt sie in ein Notion-Dokument. Wenn du aufwachst, liegt das Briefing bereits vor dir.
Webhook: wenn jemand dein Formular ausfüllt

Das ist der eigentliche Gamechanger. Ein Webhook ist ein automatisches Signal von außen. Wenn jemand dein Formular ausfüllt, schickt es ein Signal an Claude: "Neuer Eingang." Claude empfängt das Signal und legt sofort los.
Jede Routine bekommt einen eigenen Aufruf-Endpunkt, eine spezifische Adresse, über die sie ausgelöst werden kann. Du kannst dein Kontaktformular, ein Typeform, ein Meeting-Transkript oder einen Kundenticket-Eingang damit verbinden.
Was das in der Praxis bedeutet: Jemand füllt dein Anfrage-Formular aus. Claude bekommt die Daten automatisch, recherchiert die Person online, entwirft eine persönliche Antwort-Mail und legt einen Eintrag in deiner Notion-Tabelle an. Alles läuft, während du schläfst.
Für die einmalige technische Verbindung zwischen Formular und Aufruf-Endpunkt brauchst du jemanden mit ein bisschen technischem Wissen. Danach läuft das vollständig ohne dein Zutun.
GitHub-Events: für Entwickler
Die dritte Option reagiert auf Ereignisse in einem GitHub-Projektordner: ein neuer Pull Request wurde geöffnet, ein Issue wurde mit einem Label versehen, ein Code-Review steht an. Für Solopreneure ohne eigene Codebasis weniger relevant, für Entwickler aber sehr mächtig.
Drei Routines, die du sofort einsetzen kannst

Hier sind drei Anwendungsfälle, die für Solopreneure und kleine Teams direkt funktionieren.
Tägliches Briefing
Jeden Morgen zur gleichen Zeit scrapt Claude Neuigkeiten aus einem Themenbereich, fasst die fünf wichtigsten Punkte zusammen und schreibt sie in ein Notion-Dokument. Du kannst den Prompt verfeinern: "Vergleich mit gestern. Markiere alles, was für meine Zielgruppe besonders relevant ist."
Auslöser: Zeitplan, täglich. Verbundene Apps: Notion.
Automatische Lead-Qualifizierung
Jemand füllt dein Anfrage-Formular aus. Der Webhook löst Claude aus. Claude recherchiert die Website der Person, entwirft eine kurze, individuelle Begrüßungs-Mail, legt einen Eintrag in deiner Notion-Tabelle an und schickt dir eine kurze Slack-Nachricht.
Du öffnest Slack am Nachmittag: neuer Lead, recherchiert, Entwurf fertig. Einmal prüfen und absenden.
Auslöser: Webhook vom Kontaktformular. Verbundene Apps: Notion, Slack, E-Mail.
Support-Triage
Ein neues Ticket trifft ein. Claude liest das Ticket, durchsucht deine Wissensdatenbank und frühere Fälle nach ähnlichen Anfragen, entwirft eine Antwort-Vorlage und leitet das Ticket mit einer Empfehlung weiter.
Das ist kein vollständiger Support-Roboter. Aber es ist ein Assistent, der bei wiederkehrenden Fragen einen Entwurf vorbereitet und das manuelle Sortieren abnimmt.
Auslöser: Webhook vom Ticketsystem. Verbundene Apps: Notion oder Supabase für die Wissensdatenbank.
Was Routines nicht können: die ehrlichen Grenzen

Vor dem Einrichten ist es wichtig, die Einschränkungen zu kennen. Sonst wirst du schnell frustriert.
Kein Gedächtnis zwischen den Ausführungen. Claude erinnert sich nicht, was er beim letzten Mal getan hat. Wenn das wichtig ist, musst du es selbst einplanen. Füge in deinen Prompt ein: "Schreib am Ende einen kurzen Statuseintrag in diese Notion-Tabelle, damit du beim nächsten Mal nachsehen kannst."
Kein Zugriff auf lokale Dateien im Cloud-Modus. Wenn Claude auf Anthropics Servern läuft, kommt er nicht an Dateien auf deinem Computer. Alles, was er braucht, muss online verfügbar sein, in GitHub, Notion oder einer anderen verbundenen App.
Keine Browser-Sessions. Claude kann nicht auf deinen eingeloggten Chrome zugreifen und in deinem Namen auf Websites agieren. Alles läuft über die offiziellen Schnittstellen der Apps.
Keine Rückfragen während der Ausführung. Das ist vielleicht die wichtigste Einschränkung. Claude kann mitten in einer Routine nicht stoppen und fragen: "Bist du sicher?" Wenn dein Prompt unklar ist, scheitert die Routine oder produziert Unbrauchbares. Sei also sehr präzise. Liste die genauen Aktionen auf und füge immer hinzu: "Antworte nicht. Führe die Aufgaben direkt aus."
Profi-Tipp
Schreib immer "Antworte nicht. Führe die Aufgaben direkt aus." an das Ende deines Prompts. Das ist der häufigste Fehler bei neuen Routines: Claude antwortet auf den Prompt statt ihn auszuführen.
Tägliche Ausführungslimits. Das Feature ist noch im Research Preview.
Wichtig
Routines befinden sich noch im Research Preview. Die Limits und verfügbaren Möglichkeiten können sich jederzeit ändern.
Laut aktueller Dokumentation gelten folgende Grenzen:
| Abo | Routines pro Tag |
|---|---|
| Pro (ab 20 $ / Monat) | 5 |
| Max (ab 100 $ / Monat) | 15 |
| Team / Enterprise | 25 |
Routines vs. n8n und make.com: wann du was nimmst

Viele fragen beim ersten Blick auf Routines: Ersetzt das jetzt n8n oder make.com?
Nein. Die Tools lösen unterschiedliche Probleme.
Claude Routines sind stark, wenn Urteilsvermögen gefragt ist. Wenn der Input sich jedes Mal ändert, wenn Kontext verstanden werden muss, wenn "das klingt nach einem wichtigen Lead" eine Einschätzung ist und keine Rechenoperation.
n8n und make.com sind besser, wenn du klare, wiederholbare Regeln definieren kannst: Wenn Feld X diesen Wert hat, dann tu Y. Immer. Zuverlässig. Auch bei tausend Vorgängen pro Stunde.
Ein konkretes Bild: Routines für das Urteil, n8n für die Fließarbeit. Unser Einstieg in n8n Automatisierung zeigt dir, wann n8n die bessere Wahl ist.
Du kannst die Tools auch kombinieren. n8n übergibt sauber aufbereitete Daten an Claude. Claude übernimmt den Teil, der Nachdenken erfordert. n8n übernimmt den Rest der Kette.
So richtest du deine erste Routine ein

Das Einrichten dauert wenige Minuten. Hier die genauen Schritte:
- Öffne Claude Code und klick auf "Routines" in der linken Seitenleiste
- Klick auf "New Routine", dann auf "Remote"
- Gib der Routine einen Namen. Ein Emoji hilft, sie auf Anhieb zu erkennen
- Schreib deinen Prompt. Sehr präzise, keine offenen Fragen. Liste die Aktionen auf und füge am Ende hinzu: "Antworte nicht. Führe die Aufgaben direkt aus."
- Wähle einen GitHub-Projektordner. Bei allgemeinen Aufgaben ohne Codebezug spielt es keine große Rolle, welchen du nimmst
- Wähle den Auslöser: Zeitplan (wann und wie oft?) oder API (Webhook-Endpunkt)
- Passe die verbundenen Apps an. Entferne, was die Routine nicht braucht
- Klick auf "Create"
Teste die Routine zuerst manuell mit dem Button "Run now". Schau dir das Ergebnis genau an und justier den Prompt, bis es stimmt. Erst dann lass sie automatisch laufen.
Fortgeschrittene Themen wie Hooks und Parallelisierung findest du im Claude Code Tutorial.




